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DER FASCHING VON SAURIS - DER TSARAR VOSANKH
"Die Nacht der Laternen".

Zeitraum der Veranstaltung: FEBRUAR \ MÄRZ.
Die Veranstaltung findet immer am Samstag vor Aschermittwoch statt.
Das Datum ändert sich gemäß dem Kirchenkalender.

Ort des Hergangs der Veranstaltung: Sauris - Zahre, im Lumiei Tal.
Sauris - Zahre ist in der lokalen Sprache eine der drei deutschstämmigen Gemeinden, die aus der oberen Pusteria und dem oberen kärntnerischen Lesachtal gelegenen Dörfern zwischen der zweiten Hälfte des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts in die Berge der Carnia zogen.
Es gibt keine schriftliche Quellen über den Karneval und seinen Ursprung.
Obwohl der lokale Begriff "Vosankh" der ihn bezeichnet antik ist, berichten die mündlichen Zeugenaussagen erst seit Anfang des 20.Jh. davon wie sie sich maskierten.
Die Älteren erinnern sich an Karneval als etwas sehr Erwartetes: die Zeit des Jahres die der Fröhlichkeit und dem Vergnügen gewidmet war, die Zeit des Feierns, dem Alltäglichen entgegengesetzt, ein Moment der Begeisterung und der Befreiung, die in der Bekanntgabe der sogenannten "Umgekehrten Welt" gipfelte wo die Raum-Zeit Beziehungen erschüttert waren, wo feste sozialen Klassen nicht mehr existierten und wo es dank der Verkleidung zur Verwechslung der Geschlechter kam.

Die Gelegenheit zur Überschreitung war den Sauraner sehr willkommen, die nach einer langen Reihe von schweren Arbeiten in einem oft sehr schwierigen Umweltkontext nichts anderes wünschten als für eine Weile Mühen und Sorgen beiseite zu legen, um gleichzeitig wieder neue Kräfte für die Zukunft zu erlangen.
War der Alltag die Zeit des sorgfältigen Sparens, so war das Fest die Zeit der Verschwendung, man aß und trank mehr, man kam zusammen um miteinander zu sprechen, zu lachen, zu scherzen und um sich für den Maskenzug vorzubereiten.

Die letzten drei Sonntage vor der Beginn der Fastenzeit waren den drei verschiedenen sozialen Schichten gewidmet: Sonntag der Reichen (Hearnsuntach), Sonntag der Bauern (Pauarsuntach) und Sonntag der Bettler (Petralsuntach).
Die Kinder konnten sich nur am Faschingsdonnerstag verkleiden und verfügten nur über einen Nachmittag der Fröhlichkeit.



Am letzten Karnevalstag organisierte man einen öffentlichen Ball.
Der Maskenzug war von einem präzisen Ritual skandiert: der erste der auf den Straßen des Ortes erschien war der Rolar: Gesicht und Hände mit Ruß bedeckt, grobe Kleidung, er trug einen Stock und um die Taille Metallschellen, die Roln (daher sein Name), die er dauernd schüttelte; seine Aufgabe war es die Leute zu verständigen, damit sie sich auf die Faschingskirmes vorbereiteten.

Der Rolar machte die Runde im Dorf drei Mal, das erste Mal sofort nach dem Ave Maria und er brachte drei Nachrichten: "Heute Abend gehen wir verkleidet", "Alle Kinder nach Hause", "Es ist Zeit sich anzukleiden".
Also richteten sich die Leute her und kleideten sich "gut" oder "schlecht". Die schönen Masken, Sean Sembln, trugen liebliche Leibchen, Röcke mit Blumen, Blusen und weiße Strümpfe, Festtagsschuhe, auf dem Kopf trugen sie eine Papierblumenkrone und ein mit glänzenden Kügelchen befestigtes zierliches Taschentuch, das auf die Schultern herabfiel wobei es das Gesicht bedeckte.



Die männliche Version der Verkleidung war gekennzeichnet von einer Maske aus Holz, einem mit Blumen der Rekruten geschmückten Hut, Wollstrümpfe, Kniehosen, hohe Schuhe mit weißen Socken die über das Oberleder gestülpt waren. Die hässlichen Masken, Seintan Sembln, trugen alte, zerrissene und abgenutzte Kleidung; einen hässlichen Hut oder eine Wollmütze, große und lange Beinschützen, eine hässliche Maske oder einen im Nacken verknoteten Lumpen über dem Gesicht; die hölzernen Gesichtsmasken stellten meistens strenge Figuren der Älteren dar.

Alle hatten Handschuhe an um nicht anhand ihrer Hände erkannt zu werden. Doch der echte Organisator des Abends war der Kheirar "der mit dem Besen".
Wenn dieser, am schlechtesten Gekleidete, besenschwingend mit einer drohenden Maske seine Stippvisite machte, war die Nachricht: "Bewegt euch! Es ist Zeit sich zu versammeln". Begleitet von den Musikanten begannen die Masken ihre Runde, der Kheirar an der Spitze. Letzterer klopfte von Haus zu Haus, drang in die Küche ein, lud auch die Musikanten ein ihm zu folgen und kehrte mit dem Besen den Boden und klopfte dann an die Tür um die Paare hereinzulassen, in der Reihenfolge schöne vor hässlichen Masken.

Zahlreiche Bedeutungen findet man im saurischen Fasching, in den Hauptfiguren, der gewählten Verkleidung, in den verübten Gesten. Der Gebrauch abgetragener und gebrauchter Kleidung, hölzerner Masken, überwiegend von den Gesichtern der Älteren inspiriert, strebte symbolisch danach die Ahnen, die Vergangenheit, die vergangenen Welt und die Traditionen wieder aufleben zu lassen, um sie zu erneuern.

Die Unterteilung der Maskierungen in schöne und hässliche war nur eine der möglichen und geschätzten Unterscheidungen des Karnevals, der eigentlich die Synthese aus einer Kette von Widersprüchen und Umkehrungsbräuchen ist. Auch die Anwesenheit und Gestik des Rolars und des Kheirars sind nicht ohne Bedeutung. Der vom Rolar verursachte eindringliche Krach mit seinen Metallglocken hatte ohne Zweifel eine apotropäische Kraft, sie verjagte das Schlechte und Negative; ebenso kann man das vom Kheirar und dem Fußbodenkehren sagen: alles Alte, Hässliche, Negative, der Winter, die Kälte sind symbolisch in einem Häuflein Schmutz versammelt und werden weggeworfen um Platz für die positiven Dinge, das Gute, das Schöne und vor allem für die schöne Zeit, den Frühling machen.
Der Frühling verkündete einst die Bestellung der Felder, die Heuernte, das Weiden der Tiere, das Leben das sich erneuerte nach einer langem und oft schwierigen Winterschlaf.
Und war der Fußboden erst einmal gekehrt, konnten die Masken sich freien Lauf lassen, beim Ball, auf dem Fest, beim Krach und stimmten so die Zukunft günstig.





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